Wenn sich der Holzweg als richtig erweist


Katja Schrittesser | Jakobsweg

Alles begann mit einer einfachen Idee, ein Mädels-Trip sollte es werden, eine Verbindung aus Bewegung und Natur. Na dann... los gehts! Ein gemütlicher Walk von Porto nach Santiago de Compostela, rund 230 km in 12 Tagen. Und kaum hatte ich mich dazu entschlossen, stand ich schon mit meinem 14 kg schweren Rucksack am Ausgangspunkt des portugiesischen Jakobsweges.

Die erste Etappe führte uns von Porto nach Lavra.

Bei der Hälfte des Weges bekam mein Rucksack den liebevollen Namen „Monster“. Was habe ich mir bloß dabei gedacht? Mit einem 14 kg schweren Rucksack jeden Tag mind. 20 km zu marschieren, das war doch ein wenig hoch gegriffen. Als wir am frühen Abend in unserer ersten Unterkunft, einem wunderschönen Mobile-Home am Campingplatz „Orbitur“ ankamen, stand eines fest: mein Monster muss leichter werden, da waren meine beiden Freundinnen und ich uns einig. Am nächsten Tag brachte ich eine Menge Übergewicht zum nächsten Postamt und machte mich, sehr erleichtert jedoch mit leicht weinendem Auge auf den Weg. So ganz ohne schönes T-Shirt, meinen anderen beiden Haarbürsten, meinen 5 aus 10 kleinen Duschgels und meiner 3. Tube Pflegespülung für besonders weiches Haar, fühlte es sich nicht mehr wirklich an wie ein gemütlicher Mädelsurlaub.

12 Tage lang, über Stock und Stein, bei Wind und Wetter und täglichen 8 Stunden Gehzeit, da hat man schon einiges an Zeit zur Verfügung, um sich seiner selbst, seines Körpers und seiner Gedanken bewusst zu werden. Es gab viele wunderschöne Momente, liebevolle Menschen, welchen wir auf

unserem gemeinsamen Weg begegnen durften. Es ist jedoch nicht einfach „nur“ ein Weg, welchen du entlang gehst und nicht einfach nur eine Fitness-Challenge, bei welcher du ein wenig an Körpergewicht verlierst. Es ist ein besonderer Weg, dein ganz persönlicher Weg.


Katja Schrittesser | Jakobsweg

Erst 3 Jahre nachdem ich diesen Weg gehen durfte, wird mir nun eines klar. Auch wenn es sich damals nicht wie eine Belohnung anfühlte, heute weiß ich ganz genau, was mich dieser Weg gelehrt hat. Er hat mich gelehrt dankbar zu sein. Vor allem dann, wenn es mal nicht so läuft, wie man es gerne hätte. Unser Kopf will uns so unfassbar viele Gründe liefern, warum unser Leben unfair und ungerecht ist. Wenn wir jedoch mal ehrlich zu uns selbst sind und genauer darüber nachdenken: wirklich viel dagegen tun wollen wir auch nicht. Könnte anstrengend werden. Das Wertvollste was ich für mich mitnehmen durfte war zu erkennen, dass ich selbst für mein Glück verantwortlich bin und dass dich das Glück auf deinem Weg begleitet, wenn du dem Leben in Dankbarkeit begegnest und anfängst an deinem eigenen Glück zu arbeiten.


Jetzt – nach meiner ersten Yogalehrerausbildung - kann ich eines sagen: es ist und bleibt ein Weg, den ich für mich gehen darf, bei dem ich Siege und Niederlagen erlebe und bei dem ich vor allem eines tun kann: mich selbst glücklich machen.